
„Was uns die Wellness-Elite über ein erfülltes Leben lehrt“ geht in die zweite Runde. Denn Andrea Labonte hat für Wellness Heaven, auch in den vergangenen Monaten führende Persönlichkeiten der Wellnessbranche nach ihrem Verständnis von Wohlbefinden, Glück, Gesundheit, Langlebigkeit und Lebenssinn befragt. Die Interviewreihe „Mindful Moments – Gespräche, die berühren“ von Wellness Heaven entwickelte sich dabei zu weit mehr als einer Sammlung spannender Lebensgeschichten. Sie wurde zu einer Reise durch die großen Fragen des Lebens: Wie gelingt ein erfülltes Leben? Was macht Menschen resilient? Wie finden wir Orientierung in einer immer komplexeren Welt? Und was können wir von jenen lernen, die sich beruflich tagtäglich mit Wohlbefinden, Gesundheit und nachhaltiger Erholung beschäftigen?
Auch für die zweite Staffel der Interviewreihe sprach Andrea Labonte wieder mit außergewöhnlichen Persönlichkeiten aus Hotellerie, Medizin, Neurowissenschaft, Coaching, Naturpädagogik und Wellness, darunter Dr. Martin Inderbitzin (Neurowissenschaftler, Autor und Krebsüberlebender), Dr. Katharina Sepp (Ärztliche Leiterin der Sacher Academy for Better Aging) Prof. Dr. h.c. Nike Schröder (Unternehmerin und Gastgeberin im Palazzo Fiuggi), Vincent Pauchon (General Manager des The St. Regis Maldives Vommuli Resort), Sabine Lingg (Gastgeberin des Bergkristall – Mein Resort im Allgäu), Florian Lingenfelder (Inhaber des Hotels Das König Ludwig), Marc Traubel (Geschäftsführer des HUBERTUS Mountain Refugio Allgäu), Theresa Burkia-Egger (Diplom-Sommelière und Gastgeberin des THERESA Wellness Genießer Hotels), Christine Reiterer (Gastgeberin des Chalets Mirabells), Barbara Uhl (Autorin, Naturführerin und Naturpädagogin), Michaela Götz (Coach) sowie Braj Raj Singh (Yoga-Lehrer und Holistic Wellness Practitioner).
Trotz ihrer unterschiedlichen Lebenswege und beruflichen Hintergründe ziehen sich einige bemerkenswerte Gemeinsamkeiten durch nahezu alle Gespräche. Immer wieder zeigt sich eine Entwicklung, die viele der Interviewpartner beobachten: Der Wunsch nach Selbstoptimierung verliert an Strahlkraft. An seine Stelle treten die Sehnsucht nach Natur, Selbstkenntnis, Authentizität und nach einem Leben, das den eigenen Bedürfnissen und Werten entspricht.
Viele Gesprächspartner betonen, wie wichtig es ist, wieder auf die eigene innere Stimme zu hören.
Der indische Yoga-Lehrer und Holistic Wellness Practitioner Braj Raj Singh, spricht in der heutigen Zeit gar von einer verlorenen Verbindung zwischen Körper, Geist und Intuition. Der moderne Mensch suche allzu oft Orientierung im Außen, während der Körper längst Signale sende. Für ihn ist der Körper ein Sprachrohr der Intuition. Spannungen, Leichtigkeit, Unbehagen oder Ruhe seien oft Hinweise darauf, was in uns geschieht.
Michaela Götz beschreibt dieses Zurückfinden zu sich selbst sehr konkret: Raus aus dem Kopf, rein in den Körper. Gedanken prüfen, statt ihnen blind zu glauben. Entscheidungen nach den eigenen Bedürfnissen und Werten treffen. Gerade in einer Welt voller Möglichkeiten werde innere Klarheit zur vielleicht wichtigsten Form von Freiheit.
Zugleich warnt sie vor der Illusion, Glück ließe sich kaufen. Viele Trends und Produkte leben von dem Gefühl, noch nicht angekommen oder nicht gut genug zu sein. Wer sich selbst und seine Bedürfnisse nicht kennt, läuft Gefahr, ständig dem nächsten Versprechen hinterherzulaufen. Je besser wir uns selbst verstehen, desto unabhängiger werden wir von äußeren Erwartungen und vermeintlichen Patentlösungen.
Auffallend häufig spielt die Natur in den Gesprächen eine zentrale Rolle. Sie erscheint als Kraftquelle, Lehrmeisterin, Trostspenderin und Inspirationsraum zugleich.
Barbara Uhl, Naturpädagogin und Autorin, begleitet Menschen bewusst zurück ins Spüren inmitten der Natur. In einer Zeit, in der Schritte gezählt, Schlafphasen analysiert und selbst Regeneration optimiert wird, setzt sie einen wohltuenden Gegenpol. Ihre Natur-Retreats laden dazu ein, wieder aufmerksam zu werden. Für den Duft des Waldes nach einem Sommerregen. Für das Licht eines Sonnenaufgangs. Für die filigranen Strukturen eines Blattes oder die faszinierende Welt kleinster Insekten, die sich durch eine Botanikerlupe beobachten lassen.
Besonders berührend ist ihre persönliche Geschichte. Nach dem Tod ihres vierjährigen Sohnes wurde die Natur für sie zu einem Ort der Heilung. Dort fand sie Trost, Zuversicht und die Kraft weiterzugehen. Heute begleitet sie Menschen in der Natur durch herausfordernde Lebensphasen.
Auch Theresa Burkia-Egger vom THERESA Wellness Genießer Hotel im Zillertal sieht in der Natur einen der größten Schätze unserer Zeit. Die Berge seien für sie schon ein Langlebigkeits-Booster gewesen, lange bevor der Begriff „Longevity“ in aller Munde war.
Kalte Bergseen, Gebirgsbäche, Waldluft, Bewegung und ehrliche regionale und saisonale Ernährung betrachtet sie als natürliche Grundlage eines gesunden und langen Lebens. Viele jener Reize, die heute aufwendig vermarktet werden, seien in den Bergen seit jeher frei verfügbar.
Dr. Katharina Sepp von der Sacher Academy for Better Aging beobachtet ebenfalls, wie eng Gesundheit, Lebensfreude und Naturerfahrung miteinander verbunden sind. Menschen, die neugierig, offen und positiv durchs Leben und die Natur gehen, profitieren häufig sowohl mental als auch körperlich. Freude, Achtsamkeit, Genuss und soziale Verbundenheit fördern Gesundheit und Lebensqualität oft stärker, als viele vermuten. Passend dazu erinnert sie an ein Zitat von Franz Kafka: „Wer die Fähigkeit behält, Schönes zu erkennen, wird nie alt.“
Und vielleicht liegt genau darin eine der größten Erkenntnisse der Gespräche: Die Suche nach ewiger Jugend und Schönheit führt nur selten zu Zufriedenheit. Erfüllung entsteht vielmehr aus der Fähigkeit zu staunen. Wer Schönheit in der Natur, in menschlichen Begegnungen und im Alltäglichen erkennt, bewahrt sich etwas Kostbares: Neugier, Lebendigkeit und innere Frische. Ganz unabhängig davon, wie schön oder jung wir selbst sind.
Kaum ein Thema wurde in den Gesprächen kritischer betrachtet als der heutige Optimierungsdruck.
Sabine Lingg erinnert an Sokrates, der äußere Schönheit einst als „kurzes Tyrannenreich“ bezeichnete. Für sie entspringt der moderne Schönheits- und Jugendwahn häufig einer tief empfundenen Unsicherheit. Wahre Schönheit zeigt sich in Zufriedenheit, Echtheit und Selbstliebe. „Wenn ein Mensch mit sich im Reinen ist, wenn er lacht, lebt und fühlt, dann ist er schön. Ganz unabhängig vom Alter oder von Idealbildern.“
Auch Dr. Katharina Sepp beschäftigt sich immer wieder mit der Frage, wo gesunde Prävention endet und zwanghafte Verjüngung beginnt. Der Wunsch nach Gesundheit, Vitalität und Lebensfreude sei vollkommen nachvollziehbar. Problematisch werde es dort, wo Menschen unrealistischen Idealen hinterherlaufen oder das Älterwerden als persönliches Scheitern betrachten.
Auffällig ist, dass viele Gesprächspartner die gleiche Beobachtung teilen: Das Glatte, Perfekte und Konforme verliert zunehmend an Anziehungskraft. Menschen sehnen sich nach Charakter, nach Authentizität und nach Persönlichkeiten, die Ecken und Kanten zeigen dürfen. Vielleicht sind es gerade die kleinen Unvollkommenheiten, die Erfahrungen, Narben und Brüche eines Lebens, die einen Menschen interessant, glaubwürdig und schön machen. Echtheit berührt oft mehr als Perfektion. Sie schafft Nähe, Vertrauen und Verbundenheit.
Ein weiteres Thema zieht sich durch viele Gespräche: Inneres Wachstum verlangt Mut.
Nike Schröder formuliert es treffend: „Das Leben belohnt nicht die, die auf Sicherheit setzen, sondern die, die etwas wagen.“ Für sie entsteht Entwicklung dort, wo Menschen bereit sind, Unsicherheit auszuhalten, Neues auszuprobieren und ihrer Neugier zu folgen.
Auch Michaela Götz empfiehlt einen einfachen Perspektivwechsel. Anstatt sich vor wichtigen Entscheidungen zu fragen, was alles schiefgehen könnte, lohne vielmehr folgende Frage: „Was verpasse ich, wenn ich es nicht tue?“ Denn oft liege das größte Risiko darin, Chancen ungenutzt vorbeiziehen zu lassen.
Viele Interviewpartner holen Glück aus der Sphäre großer Lebensereignisse zurück in den Alltag.
Der General Manager des St. Regis Maldives Vommuli Resorts, Vincent Pauchon, der bereits an den schönsten Orten der Welt arbeitete, findet Glück in echter Verbundenheit, in sinnvollen Begegnungen und im Gefühl, einen positiven Beitrag zu leisten. Erfüllung bedeutet für ihn, ein Umfeld zu schaffen, in dem seine Mitmenschen gerne leben, arbeiten und wachsen können. Seine Neugier auf die Welt, fremde Kulturen und neue Perspektiven zieht sich dabei wie ein roter Faden durch sein Leben.
Theresa Burkia-Egger beschreibt Dankbarkeit als vielleicht wichtigste Lebenslektion überhaupt. Jeder Morgen sei für sie ein Geschenk. „Jeder Tag ein kleines Leben für sich.“
Auch Florian Lingenfelder vom Hotel das König Ludwig im Allgäuer Schwangau bringt Glück auf eine wohltuend einfache Formel: „Abends ohne Sorgen einschlafen zu können und zu wissen, dass alles im Gleichgewicht ist.“
Viele Gespräche zeigen eindrucksvoll, dass ein erfülltes Leben aber auch Krisen mit einschließt.
Marc Traubel vom HUBERTUS Mountain Refugio Allgäu spricht offen über die Herausforderungen, die sein Familienunternehmen nach einem Lawinenunglück bewältigen musste. Aufgeben stand für ihn nie zur Debatte. Im Gegenteil. Er sah in dem Unglück auch eine Chance. Sein Leitsatz lautet stets: „Herausforderung und Erfolg lassen sich auf drei Buchstaben reduzieren: TUN.“ Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.
Auch Dr. Martin Inderbitzin betrachtet Krisen als Wegweiser. Seine Krebsdiagnose veränderte seinen Blick auf Zeit grundlegend. Plötzlich wurde deutlich, wie kostbar das Leben ist und dass es wichtig ist, sich für ein erfülltes Leben drei zentrale Fragen zu stellen:
Seine Krebsdiagnose lehrte den promovierten Neurowissenschaftler, die Gegenwart bewusster zu leben und schwierige Situationen mit Neugier, Selbstfreundschaft und Vertrauen anzunehmen. Vertrauen darauf, den eigenen Weg zu finden, unabhängig von äußeren Umständen.
Krisen erscheinen in vielen Interviews vor allem als Einladungen zur Transformation. Denn inneres Wachstum beginnt häufig dort, wo Vertrautes ins Wanken gerät und man gezwungen ist, die Komfortzone zu verlassen. Gerade herausfordernde Lebensphasen können ungeahnte Kräfte freisetzen und neue Perspektiven eröffnen.
Aus den Gesprächen entsteht auch ein interessantes Bild der Wellnesswelt von morgen. Von der Wellness-Auszeit werden zukünftig neben Erholung, Abstand zum Alltag und Klarheit auch Impulse für ein erfüllteres Leben erwartet.
Für Christine Reiterer, Gastgeberin des Chalets Mirabells im Südtiroler Hafling werden „Raum, Zeit und Stille“ zu den wahren Luxus-Protagonisten in der Wellnesswelt von morgen.
Braj Raj Singh beobachtet, dass viele Gäste heute auf der Suche sind nach Orientierung im Umgang mit Stress, Reizüberflutung und mentaler Erschöpfung. Gefragt sind persönliche Begleitung, individuelle Beratung und Angebote, die sich nachhaltig in den Alltag integrieren lassen.
Auch Michaela Götz sieht diese Entwicklung. Mentale Gesundheit, bewusste Stille, Nervensystem-Regulation, Digital Detox und echte Regeneration gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Somit wird die Wellness-Auszeit auch immer stärker zu einem mentalen Wegweiser.
Nach vielen Gesprächen mit Hoteliers, Medizinern, Coaches, Wissenschaftlern und Wellness-Visionären verdichtet sich eine Erkenntnis: Die nächste Selbstoptimierungsschleife bringt uns dem Glück nicht näher. Wahres Wohlbefinden beginnt eher dort, wo wir den Lärm des Alltags bewusst hinter uns lassen, wo die ständige Angst, etwas zu verpassen, an Bedeutung verliert und wir wieder lernen, innezuhalten und zu staunen. Wenn wir uns Zeit schenken, für Momente in der Natur, für inspirierende Begegnungen und für uns selbst. Dann wird oft auch jene leise innere Stimme wieder hörbar, die längst weiß, was uns wirklich guttut.
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