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Fünf Dinge, die ich am Reisen vermisse

Wenn das große Staunen fehlt

Andrea Labonte Hoteltesterin Kolumne von Andrea Labonte
Im ersten Halbjahr 2020 kauften die Deutschen laut einer Umfrage des Marktforschungsinstitutes Nielsen rund 13% mehr Selbstbräuner als im Vorjahreszeitraum. Ein Konsumerhalten, das ich zwar nicht teile, aber verstehe. Fehlt sie mir im Corona-Winter doch besonders, die wärmende Sonne südlicherer Gefilde, die über einem verheißungsvoll glitzernden Ozean untergeht und mich, ob der Schönheit in die ich blicke, verblüfft zurücklässt.

Fernweh Corona
Fernweh: 5 Dinge, die ich am Reisen vermisse.

1. Die Lust am Staunen

Und da wäre sie auch schon, die erste Sache, die ich dieser Tage vermisse: Das große Staunen. Denn irgendwann sind lediglich die Wolkenformationen neu, über der immer gleichen, wenn auch noch so beschaulichen Wiesenidylle, die sich mir vor der eigenen Haustüre erschließt. Und es schleicht sich trotz allem behaglichem Wohlsein in der Heimat ein gewisser Gewöhnungseffekt ein. Das ist schade, liegt wohl aber in der Natur des Menschen. Die Verwunderung über die kleinen, mittlerweile allzu vertrauten Naturspektakel schleift sich mit der Zeit eben ab. Es ist nicht mehr das große Wow, sondern eher das “ach, wie nett”. Aber, es ist gerade dieses große Wow, nach dem ich mich in Zeiten des scheinbaren Stillstands sehne. Es ist das Unvorhergesehene, das mir bislang auf jeder Reise begegnete. Mir fehlt das immer auf dem Sprung sein, um an der nächsten Ecke erneut in diesen rauschhaften Zustand der Verblüffung zu geraten. Dabei bin ich in der Fremde viel aufmerksamer Neuem gegenüber. Und so kann mich die Architektur eines Hotels genauso überraschen, wie ein exotisches Gericht oder eine mir bislang fremde Stadt, die ich langsam entdecke. Zu Hause vergesse ich leicht, dass das Leben ein Mysterium ist. Während ferne, exotische Orte für mich als Sinnbild dieses Mysteriums stehen. Sie vermögen immer wieder diesen Funken Neugierde in mir zu zünden, der vom zähen Alltagsbrei daheim verschüttet wird.

2. Die Jagd nach dem verlorenen Schatz

Dabei beglückt mich auf Reisen gerade das, was ich zu Hause nicht habe. Wie oft kam ich mir im Winter an einem fernen Ort am Meer wie ein Nachtschattengewächs vor, das plötzlich aus der dunklen Erde auftaucht und vollkommen überwältigt ist von diesem besonderen Licht. Ein Licht, das es bei uns im November so gar nicht gibt und das mir in der Vergangenheit schon den ein oder anderen verblinzelten Augenblick bescherte. Da schenkt mir das Unterwegssein das, was ich in der Heimat nicht oder nur begrenzt finde. Und das ist nicht nur dieses unvergleichliche Licht oder die schillernde Farbenpracht, die mich beispielsweise im Indischen Ozean so bewegt, sondern auch das kostbare Gefühl von Freiheit. Frei zu entscheiden, wohin mich die nächste Reise führt. Eine Freiheit, die ich vor Corona für gegeben hielt, nun aber als außergewöhnliches Privileg erachte. Und es ist nicht nur diese Bewegungsfreiheit, die ich in Pandemie-Zeiten vermisse, sondern auch die „Befreiung“ von lästigen Pflichten und Routinen. Ein Tag in der Ferne folgt oft nämlich gerade keinem doktrinenhaft festgelegten Ablauf. Ich kann mich treiben lassen. Ich empfinde auf Reisen aber auch Gefühle, die zu Hause wenig Raum ausfüllen. Da ist dieses positive Kribbeln, das Adrenalin, wenn ich im Urlaub Gipfel erklimme, tauche oder mich zu Aktivitäten hinreißen lasse, die ich in der Heimat eher nicht wage. Und so verleiht mir die viel gepriesene Wanderlust zwar keine Flügel, aber doch Lebendigkeit. Sie durchbricht die Gleichförmigkeit, den Druck und bisweilen auch die Langeweile des Alltags. Reisen als Lebens-Elixier und Vitalitäts-Garant.

3. Das andere Ich

In der Ferne kann ich mich noch besser in anderen Rollen versuchen. In einen neuen Kontext hineingeworfen, ändern sich plötzlich auch die eigenen Verhaltensmuster. Auf Reisen bin ich auf einmal nicht mehr festgelegt auf die Rolle der Selbständigen, die im Home Office im eigenen Saft schmort. Einfacher als zu Hause lässt sich in der Welt da draußen Neues ausprobieren. An Stelle ungeliebter Verpflichtungen treten dann eben auch Tages-Highlights, die mich erstaunlicherweise mit Attributen versehen, mit denen ich in der Heimat kaum assoziiert würde. Und plötzlich hilft mir die Fremde dabei, mutig zu sein, über mich hinauszuwachsen und mich selbst sprachlos zu machen.

4. Die Welt als Inspirationsquelle und Sinnstifter

Die Hälfte meines Lebens habe ich, wenn es gut läuft, bereits hinter mir. Was aber ist mit der anderen Hälfte, die noch vor mir liegt? Und was ist mit der Wüste, die ich bisher noch nicht gesehen oder gefühlt habe? Und was ist mit den von der Natur übermannten Tempelanlagen Angkor Watts, die mich bislang nur auf Bildern in ihren Bann zogen? Ich will sie unbedingt noch erfahren und etwas von dem Mysterium „Welt“ im fernen Kambodscha erhaschen. Denn eines waren Reisen für mich immer, inspirierend und lehrreich. Sie halfen mir auch dabei, mich selbst besser kennenzulernen. Außerdem gebe ich es offen zu: Während momentan das größte Abenteuer in der Erkundung der Destination „Supermarkt“ besteht, keimt in mir auch die Angst, da draußen etwas zu verpassen – „the fear of missing out“. Denn Coronakrise hin oder her, die Uhr tickt und meine Lebenszeit rinnt unaufhörlich dahin und ich möchte sie mit etwas füllen, das meinem Leben Sinn gibt und mir Freude bereitet. So wird die Welt für mich zur sinnstiftenden und inspirierenden Spielwiese. Was früher die Pilgerfahrt war, ist heute die Reise zu den eigenen Sehnsuchtsorten. Denn in der Retrospektive will man ja sagen können, gelebt und etwas erlebt zu haben.

5. Die Vorfreude

Während man sich dieses Jahr in der Vorweihnachtszeit von einem Teil-Lockdown zum nächsten hangelt, ist das vorherrschende Gefühl kollektive Ratlosigkeit. Der Winter 2020 ist nicht gerade ideal, um Reisepläne zu schmieden. Und so wird die Vorfreude auf den nächsten, bislang noch unbekannten Ort im Keim erstickt. Das ist schade. Denn der Mensch lebt davon, zu planen und sich persönliche Höhepunkte zu setzen. Dabei verleiht die Vorfreude auf eine Reise meinem Alltag schon Wochen vor dem eigentlichen Aufbruch einen gewissen Glanz, einen Glanz den ich gerade vermisse.

Ich weiß, in Zeiten, in denen Ärzte und Krankenschwestern täglich an ihre Grenzen kommen und um das Überleben von Menschen kämpfen, scheint dieses lapidare Fernweh und selbstmitleidige Mangelempfinden wie ein unnötiges Luxus-, ja gar Dekadenzgejammer. Aber manchmal ist die Reflexion über das, was einem gerade fehlt sehr heilsam, um das, was in Zukunft wieder sein wird, nämlich eine Reise ins Abenteuer „Welt“ noch tiefer zu schätzen und zu würdigen. Und bis dahin, versuche ich es vielleicht doch einmal mit Selbstbräuner? Eventuell färbt der Glanz meiner Beine ja ein wenig auf meinen Home-Office Alltag ab. Ein Versuch ist es auf jeden Fall wert!


Kolumnen: "Aus dem Leben einer Hoteltesterin" Interview in der Frankfurter Rundschau FOCUS Kolumnen

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